Masuren-Report

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Wirtschaft

Zeit der Prußen

Töpferei und Lederverarbeitung waren bei den Prußen allgemein verbreitet. Ein Tauschhandel mit Fellen, Honig und Wachs wurde betrieben.

Beeinflusst durch Kontakt mit den Wikingern entwickelte sich bei den Sudauern die Verarbeitung von Silber und anderen Edelmetallen.

Zeit der Zugehörigkeit zum Ordensstaat

1372 - 1780 gab es eine Eisenhütte in Kommusin bei Neidenburg, wo Raseneisenerz verhüttet wurde. Aus dem gewonnenen Eisen wurden Pflugschare, Lanzenspitzen, Werkzeuge, Messer und Schwerter hergestellt. Das Zentrum der Raseneisenerz-Gewinnung lag bei Malgaofen und Dembowitz. Eine weitere Eisenhütte gab es in Malga.

Um 1397 entstand in Willenberg ein Eisenwerk. Ein Hammerwerk gab es auch in Kutzburg.

Vor 1425 hatte der Deutsche Orden in Klein-Mühle am Mühlendamm zwischen Sunowo-See und Lycksee eine Wassermühle errichtet. 1421 wurde eine Mühle in Salpgick erwähnt.

1490 wurde bei Angerburg eine Wassermühle gebaut. 1516 wurde in Arys eine Amts-Wassermühle in Betrieb genommen, die bis 1861 arbeitete.

Zeit der Zugehörigkeit zum Herzogtum Preußen

Pfarrer Johann Maletius gründete 1536 auf dem Waldgut Regelnitzen nahe Lyck eine Druckerei, die 1551 - 1558 betrieben wurde. Zahlreiche Lehr- und Erbauungsschriften sowie eine Bibel in polnischer Sprache wurden hier gedruckt. Abnehmer waren Kunden in Preußen und Polen.

Im 16. Jahrhundert wurde in Wiartel Raseneisenerz verhüttet. Man stellte daraus einfache Werkzeuge und Haushaltswaren her.

In Rosengarten existierte eine Wassermühle.

1599 wurde in Willenberg eine Wassermühle errichtet, die bis in das 20. Jahrhundert betrieben wurde. Die dazugehörige Ölmühle arbeitete bis zum 19. Jahrhundert.

Im 17. Jahrhundert entstand in Adlig Jucha eine Brennerei.

Zeit der Zugehörigkeit zum Königreich Preußen

Aus dem Handwerk des 18. Jahrhunderts ragen Bäcker, Töpfer, Schuhmacher, Schneider und Böttcher heraus. In Goldap wurden große Vieh- und Pferdemärkte abgehalten.

1717 entstand in Angerburg eine Salzfaktorei. 1720 errichtete Generalmajor von Katt eine Brauerei. Um 1800 wurde eine Saffian- und Juchtenlederfabrik gebaut.

Ab 1723 entwickelte sich in Willenberg das Tuchmachergewerbe bis zur Großfabrikation. Die Tuchmacherinnung besaß eine eigene Walkmühle. Die Erzeugnisse wurden bis nach Königsberg und Warschau geliefert.

1733 entstand in Schimonken eine Windmühle.

1754 wurde in Ukta eine Glashütte in Betrieb genommen.

1765 entstand in Schnittken eine Mühle.

1805 - 1889 wurde in Wondollek das in der Umgebung vorkommende Raseneisenerz verhüttet. Daraus wurden Töpfe, Geräte für die Landwirtschaft, Ofenroste und dergleichen hergestellt, die in Masuren und Masowien abgesetzt wurden, ab 1811 auch Halbzeug (Stabeisen). Ein gestauter Teich betrieb eine Turbine der Hütte. In Wondollek gab es auch eine Glockengießerei.

Ab 1823 wurde in Bialla Branntwein gebrannt. In Arys gab es Leinenwebereien und Gerbereien.

1852 wurde in Neidenburg eine Meliorationsgesellschaft gegründet. Sie legte Moore trocken.

Zu dieser Zeit gab es im Kreis Sensburg 13 Windmühlen, 14 Wassermühlen, 19 Schnapsbrennereien, 6 Brauereien und zahlreiche Ziegeleien und Teeröfen. In Passenheim existierten Sägewerke, ein Kalksandsteinwerk, eine Mühle und eine Molkereigenossenschaft.

Auf Initiative des Priors des Klosters Eckertsdorf Pawel Pruski wurde in Johannisburg eine Druckerei gegründet. 1856 - 1860 gab es in Lyck eine jüdische Druckerei.

Ab 1885 gab es in Groß Kamnionken eine Molkerei.

In Masuren entstand keine Industrie von großer Bedeutung, hingegen waren kleine Gewerbe- und Handelsbetriebe vorherrschend. Haupterwerbszweige waren die Landwirtschaft (Haupterzeugnisse Roggen und Kartoffeln) und die Viehzucht. Garten- und Obstbau waren sehr gering entwickelt. Von Bedeutung war jedoch die Holzwirtschaft.

Im Kreis Neidenburg wurde im Manufakturbetrieb aus örtlichen Vorkommen von Kalkstein Kalk gebrannt.

In Rhein entstand im 19. Jahrhundert eine Windmühle.

In Lyck wurden doppelt geknüpfte Wandteppiche mit masurischen Mustern hergestellt.

1898 entstand in Angerburg eine Fischbrutanstalt.

20. Jahrhundert

Anfang des Jahrhunderts existierte in Stradaunen eine Brennerei.

1901 wurde das Sägewerk in Rudczanny vergrößert.

1901 wurde die Entwässerungs-Genossenschaft Heyte-Bruch gegründet.

Ab 1903 arbeitete eine Genossenschaft zur Entwässerung des Talter Bruches.

1904 wurde in Passenheim, 1910 in Willenberg und 1913 in Johannisburg ein Schlachthof in Betrieb genommen.

1912 wurde die Entwässerungsgenossenschaft Kosuchen gegründet, die 1931 erweitert wurde.

1914 existierte in Angerburg eine Meierei.

Während des 1. Weltkriegs wurde in Nikolaiken eine Mühle gebaut.

Bis zur Zerstörung im 1. Weltkrieg stand in Rosengarten eine Windmühle, die durch eine Mahl- und Schneidemühle mit Motorbetrieb ersetzt wurde.

Für den Kreis Sensburg gründete sich 1917 eine Kleinsiedlungs-Gesellschaft.

Im Ergebnis des 1. Weltkriegs wurde Ostpreußen vom übrigen deutschen Staatsgebiet territorial abgetrennt. Das führte auch für die masurische Wirtschaft wegen der Marktferne zu ungünstigen Rahmenbedingungen.

1920 gab es in Reuschendorf ein Sägewerk und eine Brennerei.

Ab 1921 gab es in Sensburg eine Wirtschaftsberatungsstelle.

Bis zum Ende der deutschen Zeit waren im Gewerbe Handwerksbetriebe, Ziegeleien, Brauereien, Molkereien, Schlachthöfe, Kühlhäuser und Getreidehandel vorherrschend. Die Wirtschaftsstruktur basierte weiterhin auf der Landwirtschaft. Getreide und Kartoffeln waren die am meisten angebauten Feldfrüchte. Rinder, Mastschweine, Butter und Schafwolle wurden bis nach Berlin und in das Ruhrgebiet geliefert. An den Seen hatte sich die Binnenfischerei entwickelt.

Bei Soldau lag einer der größten Viehmärkte für Rinder aus Zentralpolen. In Marggrabowa wurde Vieh gehandelt, das vorwiegend für den Markt der östlichen Nachbarländer bestimmt war. Auch in Lyck wurden Viehmärkte abgehalten.

Neidenburg war eine Töpferstadt mit Ofenkachelproduktion. Um Sensburg und in Bialla existierte Steinindustrie. Bei Neidenburg gab es zahlreiche Branntweinbrennereien. Sägewerke gab es in Rhein, Passenheim, Prostken, Johannisburg, Drygallen, Eckersberg, Dlottowen, Goldap, Lyck und Puchallowen. Hier gehörte das Sägewerk zu einer Dampfmühle. In Rhein und Johannisburg hatte sich Maschinenbau angesiedelt. Krebskonserven wurden in Prostken hergestellt. In Lyck und Johannisburg existierte eine Sperrholzplattenfabrik, in Lyck eine Süßwarenfabrik, Landmaschinenreparaturbetriebe, Fabriken für Zementerzeugnisse und Zigarrenverpackungen und Kiesgruben. In Lissaken gab es einen Pferdezuchtverein mit Körstation und eine Windmühle. Auch in Dziadowen gab es eine Körstation. Johannisburg besaß eine Mühle und Molkerei.

Gegenwart

Der größte Betrieb in Lyck ist das Werk für Autoelektrotechnik. Er beschäftigt 1.300 Arbeitnehmer und produziert Kabelbäume, Scheinwerfer, Rückleuchten und weitere Beleuchtungskomponenten. Der Betrieb wurde 1945 als Reparaturwerk für Traktoren gegründet. 1962 wurden Kabelbäume, 1965 Werkzeuge und 1988 Autolampen in das Fertigungsprogramm aufgenommen.

In Lyck ist Holzindustrie sowie ein Schlachthof mit Fleischverarbeitung ansässig.

Ein Fischwirtschaftsbetrieb bewirtschaftet die Seen der näheren und weiteren Umgebung, verfügt über eine Fischräucherei und Fischaufzucht. Hobby-Angler erhalten gegen Gebühr die Genehmigung zum Tag- und Nachtangeln.

Es gibt in Lyck ein Unternehmen für die Produktion und Montage von Bauelementen aus Glas, PVC und Aluminium, ein weiteres Unternehmen für die Herstellung und Montage verstärkter und einbruchsicherer Türen sowie ein Unternehmen, das Grünflächen projektiert, errichtet, pflegt und umgestaltet.

In Lötzen werden Nahrungsgüter hergestellt. In Sensburg gibt es eine Großmolkerei und eine Bekleidungsfabrik. In Wiartel wird eine Pelztierfarm und in Lengowen eine Straußenfarm betrieben.

In Soldau gibt es Fertigungsstätten für Dekorglas, Möbel, Schuhe, Metallbauelemente, Lebensmittel und Baumaterialien sowie eine Druckerei.

In Masuren beträgt die Arbeitslosigkeit etwa 30 Prozent.