Geschichte
Urgeschichte
Kunde von Bewohnern des Samlandes während des Neolithikums gibt ein Steinbeil, das auf der Domäne Großhof bei Tapiau gefunden wurde und aus der Zeit vor der schnurkeramischen Kultur stammt. Auf einem Siedlungsplatz in Großköwe, der ebenfalls in die Zeit vor der schnurkeramischen Kultur eingeordnet wurde, fand man eine Schaftlochaxt, die Schneide einer weiteren Schaftlochaxt und ein Doppelbeil mit eingeschnürtem Mittelteil.
Auf der Gemarkung Tapiau wurde eine Bootaxt der schnurkeramischen Kultur gefunden, im benachbarten Altenfelde ein Axthammer der gleichen Kultur sowie in Biothen (russisch Malinovka) eine schnurkeramische Hammeraxt mit Schaftloch und abgeschlagenem Bahnende aus Diorit.
In Koddien wurde eine bronzene Randaxt aus der 2. Periode der Bronzezeit gefunden, in Adlig Popelken (Holmy) ein Hügelgrab in Steinpackung mit einer jungbronzezeitlichen Leichenbrandurne und einer bronzenen Rollennadel.
Aus Perkuiken (Nahimovo) ist ein Hügelgrab aus der La-Tène-Zeit mit äußerem Steinkranz, zentraler Urnenbestattung und Nachbestattungen aus der Zeit der Völkerwanderung überliefert.
Frühgeschichte
In Koddien wurde ein schwerer Halsring mit Schlossverschluss aus der Zeit des römischen Prinzipats gefunden. Von hier stammen auch aus der römischen Hohen Kaiserzeit eine Münze (Großbronze) des Kaisers Antonius Pius, zwei bronzene Sprossenfibeln, eine bronzene Armbrustfibel und sieben große eiserne Langmesser. In diese Zeit gehören auch eine Fibel aus Golbach (Slavinsk) und eine 18,8 cm hohe Urne aus Rosenfelde.
Zeit der Prussen
Am 23. 4. 997 soll Bischof Adalbert von Prag in Tenkitten (Ljotnoe) bei einem erfolglosen Versuch, die Prussen zum christlichen Glauben zu bekehren, ermordet worden sein.
1233 wurde der Prußen-Bischof Christian von den Samländern gefangen genommen. 1238 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen.
Im Winter 1252 / 1253 zog der Komtur von Christburg Heinrich Stange mit einem Heer des Deutschen Ordens über das zugefrorene Frische Haff zur Eroberung des Samlandes aus. Er wurde bei Germau (Russkoe) geschlagen und fand dabei den Tod.
1254 - 1255 erfolgte ein Kreuzzug gegen die Samländer unter Beteiligung von geschätzten 20.000 Gefolgsleuten von Ottokar II., König von Böhmen. Insgesamt sollen 60.000 Mann an dem Kreuzzug beteiligt gewesen sein.
1256 kam es zu einem Aufstand der Samländer.
Am 3. 5. 1258 wurde das Samland zwischen dem Deutschen Orden und dem Bischof von Samland aufgeteilt.
1260 erhoben sich die Samländer erneut. 1262 kämpften die Grafen Jülich und von der Mark auf Seiten des Ordens gegen die Samländer.
1265 - 1270 wurde die Burg Lochstädt erbaut. In diesen Jahren wurden die Gebiete Wargen, Drebnau, Beten und Pobethen (Romanovo) unterworfen. 1280 - 1310 wurde die Burg Lochstädt als Backsteinbau ausgebaut.
Zeit der Zugehörigkeit zum Ordensstaat
1283 verwüsteten einfallende Litauer das Gebiet Pobethen.
1.600 Sudauer wurden nach 1283 in den "sudauischen Winkel" des Samlandes umgesiedelt.
1309 bis 1311 kam es zu weiteren Einfällen der Litauer.
Am 17. 2. 1370 siegte der Deutsche Orden in der Schlacht bei Rudau (Melnikovo) über ein großes litauisches Heer.
Im Jahr 1400 wanderten Kuren in das nördliche Samland ein.
Am 28. 10. 1456 überfielen die Polen Fischhausen. Am 5. 9. 1462 kam es zu einem zweiten Überfall, wobei Fischhausen ausgeraubt und fast völlig niedergebrannt wurde.
Zeit der Zugehörigkeit zum Herzogtum Preußen
König Gustav Adolf von Schweden landete im Mai 1626 in Pillau. Nach dem Waffenstillstand von Fischhausen am 14. 9. 1629 zwischen Brandenburg-Preußen und Schweden wurden Lochstädt, Fischhausen sowie das westliche und nordwestliche Samland durch die Schweden besetzt. Sie blieben bis 1635.
Am 20. 11. 1656 wurde der Vertrag von Labiau geschlossen: Schweden erkannte die Souveränität des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg über das Herzogtum Preußen an.
20. Jahrhundert
Am 26. 1. 1945 wurden über 5.000 ungarische, ukrainische und polnische Juden aus den ostpreußischen Außenlagern des KZ Stutthof und aus dem Baltikum von Königsberg nach Palmnicken (Jantarnyj) getrieben. Auf dem Marsch durch das Samland kamen 2.000 Gefangene um. Über 3.000 Juden wurden in der Nacht vom 31. 1. zum 1. 2. 1945 bis auf 15 Überlebende am Strand der zugefrorenen Ostsee bei Palmnicken und Sorgenau (Pokrovskoe) durch die SS und Hilfspolizisten aus der Ukraine und anderen europäischen Ländern massakriert.
1945 gelang es mehr als 450.000 Ostpreußen, über den Hafen Pillau westlicher gelegene Gebiete Deutschlands zu erreichen.