Masuren-Report

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Geschichte

Urzeit

Wegen der dramatischen Gestaltungsprozesse der Landschaft während der Interglazialzeiten ist eine Besiedelung erst ab dem Mesolithikum wahrscheinlich. Davor zogen Nomaden durch das Land, die den Rentierherden folgten.

Spuren früher Besiedelung Masurens (Erdwälle, Schanzen) durch die europäische Urbevölkerung aus dem 5. Jahrtausend vor Christus fand man bei Lötzen. Bei Jedwabno gab es Grabfunde, die aus der frühen Bronzezeit (etwa 1.000 vor Christus) stammten und solche, die bis in das Mesolithikum zurückreichen.

Zeit der Prußen

In Masuren fasste etwa um das Jahr 1.000 vor Christus die Lausitzer Kultur Fuß. Es gab Siedlungen aus Pfostenhäusern. Befestigte Burgen wurden auf Erhebungen oder in sumpfigen Niederungen angelegt. Es wurde mit großen Buckeln und Riefelungen verzierte Keramik hergestellt. Die Toten wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt und in Urnen beigesetzt, die teilweise auf großen Urnenfeldern Platz fanden. Beigaben von Tassen und Schalen lassen auf Bestattungszeremonien schließen. Während der Periode V der Bronzezeit (900 - 750 vor Christus) differenzierte sich diese Kultur in eine westmasurische Gruppe (Träger die Galinder) und eine ostmasurische Gruppe (Träger die Sudauer).

Erste schriftliche Belege über die prußischen Bewohner Masurens stammen aus Rom. Der Kaufmann und Geograf Pytheas von Massilia erfuhr von den Prußen als einem Volk, das östlich der Weichsel an der Ostsee wohnen sollte, und erwähnte sie 320 vor Christus in seinem Werk "Aestuarium Oceani Mentonoman". Der Konsul Tacitus berichtete 98 nach Christus in seiner Germania von den Aisten (Aestii). Damit war die Völkergruppe der Balten (Prußen, Kuren, Litauer, Letten und Selen) gemeint.

Im Raum Ortelsburg wurden zu ebener Erde angelegte Großsteingräber der Galinder aus dem 2. Jahrhundert vor Christus gefunden.

Von etwa 100 vor Christus bis etwa 350 nach Christus fand ein kultureller Austausch der Prußen mit den allmählich durchziehenden Goten und Vandalen statt. So gingen die Prußen von der Urnenbestattung zur Körperbestattung über.

Im Gau Sassen wurden Brandgräber der Vandalen gefunden. Als wissenschaftlich bedeutender Fund gilt das "Fürstengrab von Pilgramsdorf" aus dem frühen 4. Jahrhundert.

Der Geograf Ptolemäus erwähnt um 170 - 180 in seiner Erdbeschreibung die Galinder und Sudauer.

Die Sudauer hatten ab 700 und besonders von 900 - 1200 ständig heftige Angriffe slawischer Stämme abzuwehren. Zeugen dieser schweren Abwehrkämpfe sind zahlreiche Burgwälle.

Durch eine Forschungsreise, die der spanische Jude Ibrahim ibn Jacub 965 unternahm, wurde im Westen bekannt, dass die Aestier selbst den Namen Brus führten.

Am 9. 3. 1009 wurde der als "Apostel der Preußen" bezeichnete Missionar Brun von Querfurt mit 18 Gefährten bei einem Bekehrungsversuch am Löwentinsee durch Prußen enthauptet. Er war zum Erzbischof der Heiden ernannt worden und vorher Domherr in Magdeburg und Hofkaplan von Otto III., dann Benediktinermönch gewesen.

Im 11. Jahrhundert kam es zu zahlreichen Einfällen der Masowier. 1112 fielen ihrerseits die verbündeten Pommern und Prußen in Polen ein. 1192 unternahm daraufhin der Polenherzog Casimir einen siegreichen Rachefeldzug gegen die Sudauer. Nach 1210 gab es durch Herzog Konrad I. von Masowien mehrere erfolglose kriegerische Unternehmungen gegen die Prußen, welche nun erfolgreich nach Masowien vorrückten und erst nach Erfüllung von Tributforderungen wieder abzogen.

Anfang des 13. Jahrhunderts hatte Masuren eine Bevölkerungsdichte von 4 - 5 Einwohner / km².

Zeit der Zugehörigkeit zum Ordensstaat

Im Juni 1218 rief Papst Honorius III. zum Kreuzzug gegen die Prußen auf. Um 1225 wandte sich Herzog Konrad I. von Masowien um Hilfe gegen sie an den Deutschen Orden ("Orden der Ritter des Hospitales von Sankt Marien der Deutschen zu Jerusalem"). 1226 schenkte er diesem das Kulmer Land. Dieser Schenkungsakt wurde durch Kaiser Friedrich II. mit der Bulle von Rimini bestätigt und zugleich der Besitz des zu erobernden Prußenlandes garantiert. 1229 erneuerte Papst Gregor IX. durch eine Bulle den Aufruf zum Kreuzzug gegen die Prußen. 1231 begann der Orden mit der Eroberung dieses Landes. Durch die päpstliche Bulle von Rieti 1234 erhielt der Orden das neu eroberte Land zum "ewigen Besitz". Um 1250 war der Westen unterworfen. Der Orden wandte sich 1252 gegen Galinden. Da es durch schwere Kämpfe mit seinen slawischen Nachbarn stark entvölkert war, wurde es ohne großen Aufwand erobert.

1260 erhoben sich die Litauer gegen den Orden. Die Sudauer unterstützten die Aufständischen und fielen tief in Ordensland ein. Erst nach Jahren konnte der Aufstand niedergeschlagen werden.

1277 begann der Orden unter Landmeister Konrad von Thierberg südlich des Löwentinsees und bei Mierunsken (nordöstlich von Marggrabowa) mit dem gut vorbereiteten Kriegszug gegen die Sudauer. Zu gleicher Zeit unternahmen einige Sudauerführer zunächst erfolgreiche Raubzüge in das Ordensland hinein.

Nach der Vernichtung des angreifenden Sudauerheeres setzte der Orden 1281 mit seiner gesamten Macht die Eroberung des Gaus Sudauen fort. Der Hauptstoß richtete sich gegen den Sudauerfürsten Skomand, der sich als Hauptgegner des Deutschen Ordens erwiesen hatte. Sein Gebiet wurde erobert und seine am Südufer des Skomentner Sees (östlich Lyck) gelegene Burg zerstört. Skomand wich mit seinen Leuten nach Weißrussland aus und unternahm kurze Zeit später den erfolglosen Versuch, sein Gebiet zurückzuerobern. Mit seiner Kapitulation 1283 und dem Übertritt zum christlichen Glauben wurde auch der Rest Masurens Teil des Ordensstaates. Ein Teil der Sudauer wurde vom Deutschen Orden vertrieben, 1.600 von ihnen im "sudauischen Winkel" des Samlandes angesiedelt. Skomand und seine Nachfahren bekamen Land übereignet und gehörten fortan zum hohen preußischen Adel.

Das Ordensland wurde in Komtureien unterteilt. Jede Komturei wurde von einem Komtur verwaltet, dem ein Konvent (mehrere Ordensritter) beigegeben wurde.

Die Besiedelung Masurens mit deutschen Kolonisten kam wegen der schlechten Infrastruktur und der unsicheren Grenzlage (Einfälle der Litauer und Polen, Grenzstreitigkeiten) nur schleppend voran. Um Sicherheit für Siedler zu schaffen, baute der Orden "feste Häuser" (befestigte Holzgebäude mit einem Palisadenzaun) oder Burgen (in Stein), in deren Schutz dann Siedlungen gegründet wurden.

Burgenbau:
1266 - 1268 Neidenburg in Holz, 1376 in Stein
1335 Angerburg, 1365 durch Litauer zerstört, 1398 Neuaufbau
1337 - 1340 Leczenburg (Lötzen), 1365 durch Litauer zerstört
1344 Soldau
1345 Johannisburg, 1361 und 1366 durch Litauer zerstört, um 1370 Neuaufbau in Stein
1348 Seehesten, 1371 Vorburg durch Litauer zerstört
vor 1360 Eckersberg und Neidenburg
1360 Ortelsburg, 1370 durch Litauer zerstört, Neuaufbau in Stein
1377 Rhein
1398 Lyck in Holz, 1408 in Stein

Anfangs wurde Landbesitz nach "kulmischem Recht" vergeben, weil der Orden die Ansiedelung erleichtern wollte. Es haftete nicht an der Person, sondern am Grund und Boden. Der Besitz durfte uneingeschränkt auf Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern vererbt werden. Mit fortschreitender Besiedelung wurde der Landbesitz nach "magdeburgischem Recht" vergeben. Auch dieses Recht haftete nicht an der Person. Es konnten nur die direkten männlichen Nachkommen erben. Später wurde das Erbrecht "zu beider Kinder Rechte" erweitert, so dass auch Töchter erben konnten.

Die Kolonisation begann im Gau Sassen. Der Orden führte Grenzverhandlungen mit polnischen und litauischen Fürsten. Die Grenze zwischen Gallinden und Masowien wurde unter Hochmeister Luther von Braunschweig (1331 - 1335) festgelegt. Diese Grenze wurde unter Hochmeister Dietrich von Altenburg (1335 - 1341) nochmals deklariert.

Nachdem der Deutsche Orden 1409 Polen den Krieg erklärt hatte, kam es am 15. 7. 1410 zur Schlacht bei Grünfeld (polnisch Grunwald) und Tannenberg (Stebark), in der das Ordensheer unterlag. In den folgenden Jahren war Masuren Schauplatz von furchtbaren Raubzügen der Polen und Litauer, die die Region verheerten. Erst nach dem Frieden am Melnosee 1422 festigten sich wieder die Verhältnisse.

In dem nicht zum Ordensstaat gehörenden Teil des Gaus Sudauen hatten sich inzwischen masowische Bauern und Kleinadlige angesiedelt. Durch sie war es bereits zur Landnahme im menschenleeren südlichen Teil Masurens gekommen. Als Antwort darauf begann der Orden mit der planmäßigen Erschließung der Region, indem für "Freidörfer", "Freigüter" und "Zinsdörfer" Privilegien (Handfeste) erteilt wurden. Freidörfer wurden von freien Bauern bewohnt. Sie hatten ihren Besitz zumeist nach kullmischem Recht erworben und wurden deshalb auch Köllmer genannt. Adlige Dörfer und Güter leisteten Abgaben an einen vom Orden angesiedelten Adligen.

Ortsgründungen:
1367 Rudwangen
1371 Langenbrück
1373 Warpuhnen, Sontag
1376 Weißenburg
1379 Sorquitten
1383 Jedwabno, Malschöwen, Burdungen, Braynicken
1387 Lissaken bei Neidenburg
1391 Maradtken
1392 Masehnen, Gronau, Nakomniaden
1397 Nawiadt
1399 Salpgick
1401 Seehesten, Peitschendorf
1403 Rehsau
1406 Engelstein, Guja
1411 Faszen
1415 Weidicken
1421 Reussen
1422 Brödienen, Mertinsdorf, Polskawiesz
1428 Bialla, Kumilsko, Lissaken, Sokollen, Kowalewen
1429 Turowen, Rakowken
1431 Chelchen
1434 Quicka
1435 Prinowen, Dlottowen, Kosuchen, Mikutten, Pawlozinnen
1436 Drygallen
1437 Rosengarten, Pilwe, Muntowen
1438 Plotzitznen, Brosowen
1439 Krzywen, Neuendorf
1440 Gollubien
1443 Arys als Neudorf
1445 Jeschen, Lisken
1448 Poseggen
1452 Thiergarten, Bogumillen, Skarzinnen
1453 Adlig Rakowen
1471 Groß Rosinsko, Grusen, Gusken, Jakubben, Kuklen, Bagensken, Zwalinnen, Proberg
1475 Stradaunen
1476 Skomentnen, Grodzisko, Kossaken
1478 Kehlen, Soldahnen
1480 Widminnen
1482 Statzen, Prostken
1484 Grabnick, Kosken
1491 Lipniken
1495 Dziadowen, Schymken
1496 Doben, Grieslack
1499 Skomatzko, Schaden, Kallinowen
1503 Schimonken
1504 Pissanitzen
1508 Sdorren
1512 Talten
1514 Angerburg als Neuendorf

Es gibt auch Dörfer, die bereits in früher Sudauerzeit besiedelt waren: Lepacken, Moldzien, Judzicken, Niekrassen, Kopicken, Sarken und Orzechowen. Die Kolonisten errichteten ihre Höfe im bereits bestehenden Dorfverband und rodeten den Wald zur Gewinnung von neuem Ackerland.

1454 - 1466 wurde Masuren wiederholt von Polen besetzt und ausgeplündert, weil der Ordensstaat wegen innerstaatlicher Auseinandersetzungen ab 1441 mit den Ständen, dem Adel und den Städten Danzig (polnisch Gdansk), Thorn (Torun), Elbing (Elblag), Neidenburg und Rastenburg (Ketrzyn) außenpolitisch handlungsunfähig war. Die Unzufriedenen wählten den König von Polen zum Schutzherrn. Die Festung Lyck wurde niedergebrannt.

Durch den 2. Thorner Frieden vom 19. 10. 1466 wurde das Ordensterritorium aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gelöst. Es geriet in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Polen.

Der Zustrom von Siedlern aus Masowien, vor allem Angehörige des Kleinadels, aber auch Leibeigene, nach Masuren nahm zu. Die masowischen Siedler mussten ihren Besitz in der Regel kaufen. Er wurde ihnen zu magdeburgischem und beider Kinder Rechte verliehen. Bis 1525 wanderten 20.000 - 25.000 Masowier ein bei einer Gesamtbevölkerung von 30.000 - 40.000. Andere Volksgruppen (Deutsche, Prußen, Ukrainer und Litauer) gingen allmählich im masowischen Element auf. Als Sprache wurde Masurisch vorherrschend.

1520 fielen Polen in die Gebiete Rhein, Lyck, Stradaunen, Lötzen und Sehesten ein und verheerten sie.

Zeit der Zugehörigkeit zum Herzogtum Preußen

1525 führte der Friede zu Krakau zur Säkularisierung des Ordensstaates. Masuren wurde zusammen mit den anderen Landschaften des Ordensstaates Teil des weltlichen Herzogtums Preußen.

Aus den Komtureien der Ordenszeit wurden die Hauptämter, geleitet von einheimischen Adligen, darunter auch ehemalige Ordensritter. "Amtsdörfer" wurden auf altem Ordensbesitz gegründet und leisteten Abgaben an den Amtshauptmann.

Ortsgründungen:
1526 Rydzewen
1538 Ostrokollen
1542 Klein Stamm
1544 Szeczinowen, Sawadden
1545 Olschewen
1548 Wosnitzen, Borowen
1549 Groß Kosuchen
1550 Lißuhnen
1555 Dopken
1559 Czerwanken
1563 Glodowen
1564 Diebowen
1566 Benkheim
1570 Babienten, Macharren, Czierspienten
1571 Roggen
1572 Gonswen
1573 Giesewen
1584 Siemanowen, Mniodunsken
1588 Grabowen, Doliwen
1602 Isnothen
1615 Dubeningken
1617 Mosdzehnen
1623 Prawdowen
1645 Rosoggen
1663 Lubjewen
1699 Wiartel
1700 Wolka

1549 kamen die "Böhmischen Brüder" als evangelische Glaubensflüchtlinge ins Land. Die meisten Glaubensflüchtlinge kamen jedoch aus Polen, so die "Sozianer".

Am 4. 4. 1571 bekam Angerburg die Stadtprivilegien zuerkannt.

Im 16. Jahrhundert wütete die Pest und die Tataren fielen in das Land ein.

Im Schwedisch-polnischen Erbfolgekrieg fielen 1655 schwedische Truppen in Masuren ein.

König Johann Kasimir von Polen versammelte überraschend schnell seine in der Schlacht vor Warschau (polnisch Warszawa) gegen die Schweden und Preußen geschlagenen Truppen und verbündete sich mit krimtatarischen Streitkräften unter Führung des polnisch-litauischen Generals und Hetmans Vincenty Corvinus Gonsiewski. Die Schweden und Preußen konnten dieser Streitmacht nur unterlegene Kräfte entgegenstellen. Sie verloren am 8. 10. 1656 in der Schlacht von Prostken mehr als die Hälfte ihrer Kämpfer, die Kanonen und den Tross. Masuren stand einer beutegierigen Soldateska offen. Die Tataren fielen ein. 23.000 Masuren wurden getötet und 34.000 in die Gefangenschaft oder Sklaverei verschleppt. 2 Drittel der Ortschaften wurden zerstört: Lötzen vollständig. 1000 Einwohner kamen zu Tode. Zerstört wurden auch Rhein, Soldau, Bialla, Pissanitzen, Lyssewen, Romotten, Przepiorken, Roggen und Dubeningken. Das Rathaus, die Kirche und die Provinzialschule in Lyck wurden von den Tataren in Asche gelegt und unter anderen die Kirchen von Nikolaiken, Ostrokollen und Kumilsko sowie fast der ganze Ort Ostrokollen und viele Häuser in Grabnick, Kolleschnicken, Grondzken, Romanowen, Jendreyken, Borschymmen, Ortelsburg und Arys zerstört. In Angerburg blieb nur die Kirche stehen. Im niedergebrannten Goldap wurde Bürgermeister Dullo auf dem Marktplatz dem Feuer übergeben. Marggrabowa wurde mit Kirche und Rathaus in Schutt und Asche gelegt.

Durch den Vertrag zu Wehlau (russisch Znamensk) vom 16. 9. 1657 zwischen Polen und Preußen wurde die polnische Oberlehnshoheit aufgehoben. Dies wurde durch den Frieden zu Oliva am 3. 5. 1660 nochmals bestätigt.

Zeit der Zugehörigkeit zum Königreich Preußen

Ortsgründungen:
1704 Schiast
1705 Bubrowko
1707 Wollisko
1708 Mittel Pogobien
1710 Schwinicken
1711 Wigrinnen
1716 Pasken
1740 Trzianken
1749 Wondollek
1804 Karwik
1833 Lipnowo
1862 Eckertsdorf

1709 - 1711 wütete die Beulenpest und machte besonders die Gaue Sudauen und Galinden wüst und arm. 30 % der Einwohner wurden dahingerafft. Von 1.200 Johannisburgern verschonte die Pest nur 14 Einwohner. In Angerburg starben 1.111 Personen und in Bialla 315. Die Pest wurde wahrscheinlich von Polen eingeschleppt, denn seit 1707 kam sie schon in Warschau vor. Pestwachen an der masurisch-polnischen Grenze konnten ihr Vordringen nicht verhindern. Einzelne Dörfer schirmten sich zusätzlich durch hohe Zäune ab.

1711 traten Heuschreckenschwärme biblischen Ausmaßes auf.

Wiederholt wurden Vieh- und besonders Pferdeseuchen aus Polen eingeschleppt. Durch Zugtiermangel kam die Ackerbestellung ins Stocken. Die Lage der Bauern verschlechterte sich wegen der hohen Steuerlast in zunehmendem Maße, so dass viele leibeigene Bauern ihre Höfe verließen und nach Polen flüchteten. Masuren war zum Armenhaus Ostpreußens geworden.

Nach einer durchgreifenden Steuerreform im Jahre 1720 erhielten neu ins Land einwandernde Siedler aus Polen nicht bewirtschaftete Höfe. Neusiedler kamen auch aus der Pfalz und Nassau.

1722 erhielt Bialla, 1723 Willenberg und 1725 Arys das Stadtrecht.

1732 siedelten sich Salzburger an, die wegen ihres evangelischen Glaubens ihre Heimat verlassen mussten.

Im Siebenjährigen Krieg besetzten russische Truppen unter den Heerführern Sibilski und Liewen am 2. 8. 1756 Marggrabowa und den übrigen Ostteil Masurens. Mit der Truppe waren Banditen über die Grenze gekommen, die raubten, brandschatzten und mordeten. Ein großer Teil der Landbevölkerung flüchtete in die Wälder oder in die noch unbesetzten Gebiete. Die Okkupanten konnten die Banditen nicht zügeln. An einigen Orten griffen die Einwohner, primitiv mit Forken und Sensen bewaffnet, zur Selbsthilfe.

Trotz einer gewonnenen Schlacht am 30. 8. 1756 zogen die Russen ab, um aber 1757 unter Feldmarschall Fermor wiedereinzurücken. Masuren blieb bis zum 5. 8. 1762 in russischer Hand. Die preußischen Gesetze blieben in Kraft und die Verwaltung unter der Aufsicht russischer Offiziere im Amt.

1789 erhielt Rosoggen das Stadtrecht verliehen.

Vom 21. 11. - 10. 12. 1806 residierte König Friedrich Wilhelm III. auf der Flucht vor den Truppen Napoleons in Ortelsburg. Am 31. 12. 1806 wurde Ortelsburg durch die napoleonische Armee besetzt und ausgeplündert. Vom 21. 1. - 2. 2. 1807 befand sich das Hauptquartier Napoleons in Willenberg, anschließend in Passenheim.

Während der napoleonischen Kriege wurde Masuren nach dem Frieden zu Tilsit (russisch Sovetsk) vom 9. 7. 1807 von den Franzosen besetzt. Hohe Kontributionsforderungen waren zu erfüllen. Ungeheure Schäden entstanden durch die Verpflegung und Unterhaltung französischer Truppen, nachdem sich vorher schon russische Truppenteile durch Zügellosigkeit ausgezeichnet und an der Bevölkerung schadlos gehalten hatten. Die Kommunen mussten sich durch die Ausgabe von Obligationen hoch verschulden. Der Lebensmittelmangel führte zu einer lang andauernden Epidemie. Hinzu kam eine weitere Viehseuche. Auch die Kontinentalsperre wirkte sich negativ auf das Wirtschaftsleben aus.

1811 gab es eine schwere Mißernte.

1812 zogen Teile der Großen Armee Napoleons nach Russland durch. Französische und bayrische Truppen waren einquartiert. Die Bayern nahmen Pferde, Wagen und Vieh ohne Entschädigung mit.

Im Dezember fluteten die geschlagenen Franzosen über Lyck und die Bayern über Johannisburg zurück.

Am 15. 1. 1813 trafen die Vorhuten der russischen Armee unter Marschall Kutusow in Lyck ein. Am 19. 1. 1813 kam der russische Kaiser Alexander an, in seinem Gefolge auch Freiherr vom Stein und Arndt. Vom 23. - 26. 1. 1813 weilte Zar Alexander in Johannisburg.

1832 wanderten Philipponen ein.

20. Jahrhundert

Die schlechte wirtschaftliche Lage zwang um 1900 Bewohner Masurens, in das Ruhrgebiet überzusiedeln, wo sie in den Kohlezechen Arbeit fanden.

Während des 1. Weltkriegs wurde Anfang August 1914 Bialla von den Russen geplündert. Arys wurde vom 21. 8. - 8. 9. 1914 und vom 10. 11. 1914 - 12. 2. 1915 von ihnen besetzt und gebrandschatzt. Zivilisten wurden verschleppt. Ein einfallender Trupp russischer Kosaken plünderte am 22. 8. 1914 Neidenburg. Durch die Kampfhandlungen wurden 225 Gebäude zerstört, darunter das Rathaus und die evangelische Kirche. Auch Lucknainen wurde besetzt. Vom 26. - 30. 8. 1914 fiel die russische Armee in den Raum Willenberg - Ortelsburg ein. Ortelsburg wurde zum Teil niedergebrannt. Das Gleiche geschah am 26. 8. 1914 mit dem Schloss Sorquitten. Auch Rosengarten brannte bis auf wenige Gebäude (Kirche, Pfarrhaus und Schule) ab. Johannisburg war von September 1914 bis zum 7. 2. 1915 von Russen besetzt. Die Stadt erlitt schwere Zerstörungen. Zivilisten wurden getötet und eine große Zahl, darunter Frauen und Kinder, nach Sibirien verschleppt. Auch Goldap war besetzt und wurde zerstört. Es kam in den Jahren 1914 und 1915 zu heftigen Kämpfen zwischen der eingedrungenen russischen Armee unter Samsonow und deutschen Abwehrkräften (Schlacht bei Tannenberg 23. - 31. 8. 1914, Vernichtung der Narew-Armee; Schlacht an den Masurischen Seen 5. - 15. 9. 1914, Rückzug der Njemen-Armee; Winterschlacht in Masuren 4. - 22. 2. 1915).

Am 10. 1. 1920 wurde das Gebiet Soldau ohne Abstimmung an Polen angeschlossen.

In der "Reichskristallnacht" am 9. 11. 1938 wurde die Neidenburger Synagoge zerstört und dort 2 jüdische Bürger erstochen und mehrere verletzt.

Ab September 1939 gehörte das Gebiet Soldau wieder zu Masuren. Im Arbeitserziehungslager Soldau der deutschen Gestapo wurden von 30.000 Gefangenen 13.000 ermordet, darunter Würdenträger und Samariter der katholischen Kirche Polens.

Nachdem es während des 2. Weltkriegs zu Bombardements der Alliierten kam, wurde Masuren bis zum Sommer 1944 Zufluchtsgebiet für Luftkriegsevakuierte aus West- und Mitteldeutschland.

Ab dem 11. 8. 1944 wurde die Bevölkerung der Dörfer östlich der Eisenbahnlinie Marggrabowa - Lyck - Prostken in westlicher gelegene Orte Masurens evakuiert.

Seit dem 22. 10. 1944 wurde Goldap von der 31. Sowjetarmee beschossen und Anfang November 1944 eingenommen. Vorübergehend wurde Goldap wieder von der deutschen Wehrmacht zurückerobert.

Als Ende 1944 die Front immer näher rückte, flüchtete die Mehrzahl der Masuren vor dem Einmarsch der Roten Armee, der im Januar 1945 erfolgte, in Richtung Westen. Viele Masuren wurden von der deutschen Kriegsmarine über die ostpreußischen Seehäfen evakuiert. Schließlich hielt die deutsche Wehrmacht nur noch einen Kessel außerhalb Masurens in Ostpreußen (Braunsberg (polnisch Braniewo), Heiligenbeil (russisch Mamonowo), Königsberg, westliches Samland). Die hier eingeschlossenen Masuren versuchten, über das Eis des Frischen Haffs (russisch Kaliningradskij zaliv, polnisch Zalew Wislany), über den Hafen Pillau (russisch Baltijsk) oder durch Lücken im Einschließungsring zu entkommen.

Am 19. 1. 1945 zerbombte die sowjetische Luftwaffe Johannisburg zu 60 Prozent. Durch die Kriegshandlungen wurden 70 Prozent von Goldap, 60 Prozent von Marggrabowa und 20 Prozent von Sensburg zerstört, Angerburg wurde größtenteils niedergebrannt. Im unzerstörten Arys wurden während der Einnahme durch die Rote Armee 40 Wohngebäude in Brand gesetzt. In Bialla wurden nach der Einnahme durch Russen und Polen ganze Stadtviertel niedergebrannt und 50 Zivilisten getötet.

In Arys wurde ein Sammel- und Straflager des russischen Geheimdienstes NKWD eingerichtet. Arbeitslager für Zivilisten, denen die Flucht nicht gelungen war, wurden von der Roten Armee in Grabnick, Jucha und Lyck sowie an weiteren Orten eingerichtet. In Soldau gab es ein Sammellager und einen Verladebahnhof für Deutsche, die in der Sowjetunion Zwangsarbeit auf Konto Reparation leisten mussten.

Auf der Potsdamer Konferenz wurde Masuren bis zu einer Regelung im Friedensvertrag unter polnische Verwaltung gestellt. Die verbliebene Bevölkerung wurde teils zurückgehalten, teils verschleppt, teils vertrieben. Etwa 80.000 Masuren blieben in Masuren zurück. Um den polnischen Anspruch auf das Gebiet zu festigen, wurden alle deutschen Inschriften entfernt. Im August 1945 zog die Rote Armee aus Masuren ab, aus dem Kreis Goldap erst im November. Vorher setzten die Rotarmisten in Lyck einen Teil der Wohnstätten in Brand, wovon ganze Straßenzüge betroffen waren. Eine Etage des Bahnhofsgebäudes wurde ein Raub der Flammen.

1950 anerkannte der ostdeutsche Teilstaat die neue deutsch-polnische Grenze an der Oder-Neiße-Linie und damit die Zugehörigkeit Masurens zu Polen. 1970 vollzog diesen Schritt der westdeutsche Teilstaat nach. 1990 bekräftigte das wiedervereinigte Deutschland im deutsch-polnischen Grenzvertrag die getroffene Regelung.